Die Wahrheit über Ammoniak?

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Oft werde ich auf meinen Seminaren und über Facebook nach dem Thema gefragt, was es mit den Haarfärbungen ohne Ammoniak, die gerade auf dem Markt angepriesen werden, auf sich hat. Die aktuellen Marktführer solcher Produkte behaupten, dass Haarfärbungen mit Ammoniak schädlich und veraltet sind. Warum bieten sie dann weiterhin ihre Ammoniak-haltigen Produktlinien und sogar darauf basierende Färbungskurse an? Und vor Allem: was sage ich als Friseur einer Kundin, die ihre Haarfarbe aufhellen möchte? Hier ein paar Aufklärungen:

Was ist Ammoniak?
Ammoniak ist ein leicht flüchtiger Stoff, der zur Neutralisation oder zur Quellung der Haare verwendet wird. Wegen seiner Flüchtigkeit riecht er etwas stechend und ist durch ein Parfümöl nur schwer zu überdecken. Ammoniak ist ein Stoff, der auch in der Natur in vielfältiger Form vorkommt.

Was sind die Vorteile von Ammoniak in Haarfarben?
Damit sich die Farbpigmente dauerhaft im Haar verankern können, muss das Haar durch eine Quellung geöffnet werden. Dazu eignet sich Ammoniak ganz hervorragend. Vor allem die Brillanz, die Grauabdeckung und die Haltbarkeit der Haarfarbe ist in ammoniakhaltigen Färbemitteln sehr gut. Wegen der Flüchtigkeit kann zwar bei der Anwendung ein etwas eigentümlicher Geruch entstehen, es besteht aber gleichermassen die Sicherheit, dass das Haar nicht übermässig gequollen wird. Durch das Verdampfen des Ammoniak geht der pH-Wert im Haar und damit auch die Haarquellung allmählich zurück. Ammoniak besitzt also einerseits die Eigenschaft, die Farbleistung zu verbessern und andererseits gewisse Schutzeigenschaften, damit das Haar nicht überbeansprucht wird.

Gibt es Alternativen?
Die Alternativen zu Ammoniak sind zwar im Geruch zum Teil angenehmer, weil sie weniger leicht verdampfen. In der Praxis heisst das aber, dass der pH-Wert konstant bleibt und die Quellung der Haare zunehmen kann. Dennoch ist das Quellungsvermögen generell bei den Alternativen nicht so gut, dass in jedem Fall eine optimale Grauabdeckung erzielt werden kann. Weiterhin besteht ein Risiko, dass im Haar Alkalität und damit eine Restquellung zurückbleibt, wenn das Haar nicht sehr intensiv gespült wird. Der Vorteil bei den Alternativen liegt eigentlich nur darin, dass der Duft bei der Anwendung etwas angenehmer ist.

Zusammenfassung
Ammoniak wird zu Unrecht als bedenklicher Stoff in Haarfärbungen bezeichnet. Vielmehr wird damit die Farbleistung verbessert. Auch die Anwendungssicherheit von Ammoniak ist sehr gut. Ammoniak ist außerdem ein gut verträglicher Stoff, der in der Natur und auch im menschlichen Körper in grösseren Mengen vorhanden ist. Was also meinen Sie: warum gibt es denn die Ammoniak-Farben überhaupt noch, wenn Ammoniak doch so schlecht ist? Weil die klassichen Linien – Farben mit Ammoniak – sehr gut laufen und sehr gut funktionieren, und sie daher kein schönes Marketing brauchen? Ausserdem gibt es viel mehr Nuancen bei Ammoniak-haltigen Farben als bei Ammoniak-freien Farben. Und unter uns, liebe Kollegen: was sage ich zu den Kunden, die die Haare gerne blond tragen? Aufhellende Farben ohne Ammoniak gibt es nicht, weil es ohne Ammoniak nicht geht!

Sie sehen also, es ist keinem Hersteller gelungen, ganz auf Ammoniak zu verzichten.

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