Brauchen wir noch mehr Friseure?

Die Sünden der Vergangenheit sind die Probleme der Zukunft: das Überangebot von ausgebildeten Friseuren dämpft den generellen Wachstumspfad der Branche

[image_frame style=“framed_shadow“ align=“left“ height=“397″ width=“324″ prettyphoto=“false“ link_to=“false“]https://www.paulgehring.com/wp-content/uploads/PG-Blog-Friseure.jpg[/image_frame]

Europaweit ist die Ausbildung zum Friseurhandwerk schon seit Jahren eine der beliebtesten Berufswahlen bei frühen Schulabgängern/innen. So weit, so gut: alles im grünen Bereich.

Andererseits gehören Schwarzarbeit, Mikrobetriebe mit Dumpingpreisen und schlechte Arbeitsbedingungen auf Grund von absurden Preiswettbewerben zur Tagesordnung (siehe Artikel: Das Friseurgeschäft: Preiskampf oder Qualität?).

Nehmen wir weiterhin den deutschen Markt als Paradebeispiel: in den vergangenen 10 Jahren sind rund 750.000 Friseure ausgebildet worden (laut Schätzung auf der Basis der Studie “Bildung in Deutschland”, Bundesministerium für Bildung und Forschung). Das bedeutet – theoretisch – ein gewaltiges Potential an verfügbaren Arbeitskräften für die Unternehmen.

In den 41.600 Friseurbetrieben in Deutschland, die über 17.500 € Umsatz pro Jahr liegen und Mitarbeiter beschäftigen, finden etwa 180.000 angestellte Friseurinnen und Friseure Arbeit. Macht in Summe mit den Unternehmern/innen rund 222.000 Beschäftigte. Besagte Mikrobetriebe werden auf ca. 20.000 geschätzt. Übrig bleiben demnach ca. 500.000 ausgebildete Friseure, die nicht als angestellte oder selbständige Friseure arbeiten.

Unterstellen wir nun, dass diese Friseurinnen und Friseure, z.B. innerhalb ihrer Familien, dem einen oder anderen die Haare schneiden, färben, usw. Bei nur einer Dienstleistungs-Behandlung im Monat bei einem durchschnittlichen Bedienungspreis von 39,47 € (laut EVA Studie 2011) ergibt das einen potentiellen Dienstleistungsumsatz von ca. 236,8 Millionen Euro.

Ein Markt, der sich zu bedienen lohnt, oder?

Wie wird dann dieser Markt mit Produkten versorgt? Niemand kann das besser als der einschlägige Online Handel und die unzähligen Friseurmarken-Shops. Bei einem typischen Wareneinsatz von 10% auf den oben errechneten Dienstleistungsumsatz ergibt das 23,7 Millionen Euro, wahrlich auch hier ein interessanter Markt!

Sicher ist eine der Kernfragen in dieser Betrachtung, warum so viele Friseure nicht in Ihrem Beruf arbeiten. Folgen wir der Berichterstattung der Medien der letzen Jahre, drängen sich die Argumente geradezu auf:

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  • Lohndumping
  • Unattraktive Arbeitszeiten und -Bedingungen
  • Schlechtes Image

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… um nur einige Gründe zu nennen.

Wo also soll es hingehen? Welche Richtung soll das Friseurhandwerk einschlagen, um in eine unternehmerisch sinnvolle Zukunft zu steuern? Folgende Ansätze sind einschlägig:

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  • Weniger und dafür hoch qualifizierte Ausbildung
  • Bessere, leistungsgerechte Bezahlung
  • Modernere Arbeitszeiten- und Bedingungen

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Damit würde ich die Frage, ob wir noch mehr Friseure brauchen, wie folgt beantworten: “Wieso nicht? Nachwuchs ist wichtig, aber nicht am Markt vorbei, sondern in diesen integriert! Wachstum und Potential sind vorhanden, doch der Markt braucht mehr Wert, sprich: Qualität im weitesten Sinne, einen gesunden Wettbewerb und eine vernünftige Selektion als Erfolgsprinzip.”

Ich kenne einige Kollegen, die schon längst auf diesem Weg sind: Mitarbeiter verweilen in diesen Salons Jahrzehnte und bauen tolle und auch ertragreiche und erfüllende Kunden – und Arbeitgeberverhältnisse auf. Das ist volkswirtschaftlich gesehen sicherlich der bessere Weg in eine bessere Zukunft.

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